Welche Nachteile hat die europäische Währungsunion?

Europa ist alles andere als ein homogener Kontinent, was auch historisch begründet und gewachsen ist. So gibt es ganz enorme regionale Unterschiede in der Wirtschaftskraft, übrigens ja auch schon innerhalb Deutschlands. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Manche Regionen verfügen über Bodenschätze, andere haben eher den Charakter einer Kornkammer, in Südeuropa wachsen Oliven und Wein und so manche Gegend ist bisher wirtschaftlich ziemlich benachteiligt.

Unterschiedliche Wirtschaftskräfte in den verschiedenen Regionen

Diese quasi "naturgegebenen" Unterschiede der europäischen Regionen wurden schon immer durch die Wechselkurse der verschiedenen Landeswährungen ausgeglichen. Und diese Kursumrechnungen waren nicht starr in Stein gemeißelt, sondern sie passten sich immer dynamisch an die sich verändernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen an. So zeichnete sich eine erstarkende Wirtschaft beispielsweise durch die Entdeckung einer riesigen Ölquelle durch eine Wertsteigerung der Landeswährung im Vergleich zu anderen Währungen aus. Umgekehrt sank der Wechselkurs einer Währung, wenn es einem Land wirtschaftlich schlecht ging, z. B. weil es bestimmte Waren kaum noch ausführen konnte, vielleicht wegen einer veränderten Konkurrenzsituation oder wegen einer Qualitätsminderung.

Automatische Ausgleichsmechanismen

Der geringere Wert der Währung führte im Wechselkurs dazu, dass die Menschen aus den Nachbarländern deutlich mehr von dieser Währung für ihre eigene Währung erhielten. In der Folge war für sie der Einkauf in diesem geschwächten Land billiger, was sich beispielsweise in einer deutlichen Steigerung des Tourismus dorthin oder des Wareneinkaufs in dem wirtschaftlich geschwächten Land auswirkte. Es bildetet sich also ganz automatisch ein Geldstrom in dieses Land aus, was dort zu Investitionen und insgesamt zu einer Erstarkung der Wirtschaft führte. Irgendwann schlug dann das Pendel um, die Landeswährung erstarkte und der Geldfluss ebbte ab, aber das Land hat nun wieder den wirtschaftlichen Anschluss an seine Nachbarn gefunden.

Die frei konvertierbaren, konkurrierenden Währungen waren gleichsam ein Regulativ dafür, dass die Unterschiede in der Wirtschaftskraft der Länder sich stets einigermaßen ausgleichen konnten, was sich sozusagen wie von Geisterhand geführt immer wieder einpendelte. Im Ergebnis war der normale norwegische Bürger eben nicht deutlich reicher als ein griechischer Bürger.

Gemeinschaftswährung braucht gemeinsame Finanzpolitik

Die aufgezwungene Währungsunion mit dem Euro als Gemeinschaftswährung in den meisten europäischen Staaten unterbindet dieses quasi natürliche Einpendeln einer in etwa gleichen Finanzkraft der Menschen in Europa vollständig. Reiche Länder wie Deutschland sind nun dazu verurteilt, immer reicher werden zu müssen, und umgekehrt beginnen die Menschen in den ärmeren Ländern so langsam zu verhungern. Politische Unruhen sind vorprogrammiert. Die so genannte Handelsbilanz zwischen den Ländern klafft immer weiter auseinander. Mit EU-politischen Beschlüssen wird nun versucht, Geldströme per Gesetz und Bürgschaften in die wirtschaftlich schwachen Länder zurück zu pumpen, was verständlicherweise auf wenig Gegenliebe bei den Bevölkerungen der reicheren Länder stößt.

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